Clipperli bei Schulstart 1976

Schulstart und warum ich trotzdem hoffe…

Letzte Woche war Schulstart für meine Tochter Julie und viele andere Kinder auch. Gegenüber dem Schulsystem hatte und habe ich gemischte Gefühle. Ja, wir sind gesegnet mit einem hervorragenden Bildungssystem. Alle Kinder in der Schweiz, egal ob Knaben oder Mädchen, haben Zugang zu Bildung. Wir nutzen alle Formen von Lernen, das Internet und viele weitere Lernformen mehr.  Und doch habe ich beim Thema Schule oft ein flaues Gefühl.

Schule killt Kreativität

Ein Kommentar von Dominique unter meinem Beitrag zu Julie’s Schulstart bewegte mich dazu, doch einen etwas längeren Beitrag zu schreiben.

Quote Dominique

 

 

 

 

Ja, Dominique, meine Tochter wird viel mehr Zeit in der Schule verbringen als mit mir oder meiner Familie. Kommt dazu dass ich mich noch für eine Schule entschieden habe, welche eine Rundumbetreuung in der Woche anbietet. Da sind 70 andere Kinder im Alter von 6 – 12 Jahren. Da sind Aufsichtspersonen, weitere Lehrkräfte und Hilfspersonen. Diese werden alle werden Julie auf die eine oder andere Art beeinflussen und formen. Ich vertraue darauf, dass sie diesen Part gut machen. Aber dazu später noch.

Mit dem Strom dagegen

Ich kenne leider einige Eltern, die an dem System Schule und Anpassung (ver)zweifeln. Weil ihr Kind eben nicht der „Norm“ entspricht. Laut ist, unkonzentriert oder abwesend. Geschichten vom gestrichenen Schulsport wegen Unaufmerksamkeit im Unterricht. Kinder die vorschnell die Diagnose ADHS erhalten oder in Förderklassen gesteckt werden. Leider gibt es viele dieser Geschichten.(Elternplanet hat gerade einen Artikel zum Thema „Diagnose: laut, wild, unaufmerksam“ geschrieben, auf den ich hier gerne verweise.) Ich bin aber auch überzeugt, dass den negativen Beispielen die ich kenne, viele positive Beispiele gegenübergestellt werden könnten.

Vor 2 Jahren, nach nicht ganz 3 Monaten im Kindergarten, wurde mir von der Lehrerin versichert, dass Julie in der Schule mal keine Probleme haben wird, weil sie alle Fähigkeiten hat, die es für eine erfolgreiche Schulkarriere braucht. Hach wie schön…. wirklich?!? Ihre Chancen darauf dass sie mal besser in Integralrechnen wird als ich, sind gross. Klar freue ich mich, wenn sie sich in der Schule dereinst wohler fühlt als ich. Aber zu welchem Preis? Wird sie auch in der Schule auch in ihren nicht-schulzentralen Fähigkeiten gefördert? Sozial, kreativ, musisch, verspielt, querdenkerisch, unangepasst? Ich wünsche es mir sehr. Der folgende Beitrag von Ken Robinson ist einer meiner LieblingsTED-Vorträge. Er beschreibt genau, was Dominique in seinem Kommentar anprangert. Schule killt Kreativität.

 

Was erwarte ich von der Schule?

Die Schule versucht, allen Kindern eine gleichwertige Grundausbildung zu geben. Wie im Leben in vielen Bereichen, wird sie dabei nicht allen gerecht und versagt auch mal. Ich bin keine Lehrerin die 20 oder mehr Kinder in Schach halten darf, den Lehrplan vermitteln muss und zugleich noch alle individuell fördern darf. Ich bin sicher, dass die LehrerInnen, die SchulleiterInnen und alle die im System Schule arbeiten, täglich ihr bestes geben. Manche besser, andere weniger gut. Aber das ist auch im Arbeitsalltag nicht anders. Wir SIND irgendwie alle ein Zahnrad im Getriebe der Gesellschaft. Bildung ist die Grundlage für ein eigenständiges, selbstbestimmtes Leben und das duale Bildungssystem der Schweiz ist einzigartig und meines Erachtens eine der Gründe, warum die Schweiz heute so gut dasteht. Persönlich befürworte ich es, wenn auch #meineSchweiz der alternativen Schulausbildung mehr Aufmerksam schenkt und neue Schulformen und Lernideen fördert. Wenn Kinder weitere Möglichkeiten erhalten, ihre Kreativität zu leben. Als Eltern haben wir jedoch ebenso Einfluss darauf, was wir den Kindern mitgeben für ihren Lebensweg. Julie lernt bei mir nicht lesen und schreiben und sicher keine Integralrechnung. Sie kann aber bei mir Fehler machen, ich unterstütze sie dabei gegen den Strom zu schwimmen, wenn sie das will. Wenn es in der Schule schwierig wird, versuche ich ihre Sicht einzunehmen und für sie einzustehen und vor allem sie zu begleiten, wohin sie ihre Füsse auch setzen will.

Proud to be a mum with a schoolgirl now! #1stgrade #happyme #schoolstart

Ein von Sandra Bornand (@clipperli) gepostetes Foto am

Die Schule als Familie

Zurück zur „Familie“ Schule. Julie ist in einer der wenigen öffentlichen Tagesschulen der Stadt Zürich. Ich hatte Glück und Julie wurde als eines der 12 neuen Erstklässler aufgenommen. Ich habe mich nicht nur für die Tagesschule entschieden, weil ich arbeite. Das Konzept als Ganzes überzeugte mich. Kleine Klassen, die gesamte Betreuung in einem Haus und die Lehrpersonen übernehmen auch Betreuungsaufgaben. Was heisst, dass sie die Kinder nicht nur im Lernumfeld kennen lernen, sondern auch in ihrem sozialen Alltag. Sie lernen sie besser kennen und können sie entsprechend besser fördern. Zudem sind Musik, Kultur und Kunst ein wichtiges Element. Eine integrierende, sozial engagierte Schule die Julie hoffentlich ein positives Gefühl zum Lernen und Leben vermitteln wird. Eines das sie bei Schwierigkeiten nicht im Stich lässt und die Kreativität nicht so schnell killt wie andernorts. Nennt mich naiv, aber ich denke, von dem Angebot das heute besteht, ist dies eine der besseren Optionen. Der Artikel der NZZ sowie ein Beitrag im Schulblatt des Kantons Zürich geben mehr Hintergründe über die Tagesschule Feldblumen.

Was ich mir wünsche

Für mich war die Schulzeit keine gloriose Zeit und ich habe mich im System nie wohlgefühlt. Ich musste dreissig Jahre alt werden um zu verstehen, wie toll es ist etwas zu lernen und wie viel Spass es macht. Für Julie wünsche ich mir, dass sie das bald lernt und auch behält. Bei mir war es vor allem die soziale Integration, die mir ein positives Lernumfeld verunmöglichte. Ich hoffe fest dass das für sie gut klappen wird. Alle anderen Hürden und Freunden nehmen mit wir, wenn sie da sind. Ich versuche, meine Erfahrungen nicht mit ihren Erwartungen zu verknüpfen sondern sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen. Und was die Elterngespräche angeht… am 3.9. wär dann der erste… ich halte euch auf dem Laufenden 😉

Nachtrag

Heute habe ich auf TED einen weiteren Talk von Ken Robinson gefunden. «How to escape education’s  death valley» Er bezieht sich auf das Schulsystem in Amerika hat aber auch wieder viel Wahres für unser Schulsystem. Die 16 Minuten lohnen sich!

 

Der zweitschönste Tag

Kleine Kinder werden schnell gross. Wer welche hat, kann das sicher unterschreiben. Wenn sie zur Welt kommen scheinen 6 Jahre wie eine Ewigkeit aber in Wirklichkeit geht es wie im Flug. Manchmal vergisst man ob all der Geschwindigkeit, wie wertvoll Pausen sind.

6 Jahre im Schnelldurchlauf

1 1/2 Jahre Baby: sie lernen trinken, sitzen, lachen, spielen, schlafen, schreien, essen, aufstehen, winken, laufen und viele andere kleine Wunder-Sachen mehr
1 1/2 Jahre Kleinkind: sie lernen reden, springen, Treppen steigen, tanzen, singen, täubele, Fussball spielen und viele (für Eltern eher anstrengende) Sachen mehr
2 Jahre Kindergartenkind: sie lernen sich in eine Gruppe einbringen, basteln, malen, manipulieren, ihren Namen schreiben und bis 10+ zählen, pfeifen, auf einem Bein hüpfen, Witze erzählen, Spiele erfinden, sich mit sich selbst beschäftigen, Velo fahren, Schuhe binden, Fluchwörter sagen, Verse reimen und viele (für alle schöne und herausfordernde) Sachen mehr.

Heute war der zweitletzte Tag meiner Tochter im Kindergarten. Bald starten wir also in das nächste Zeitalter – die Schule. Sie freut sich, fragt sich aber auch was sie denn da erwarten wird. Und da geht es mir genau gleich. Wir hatten das Glück, dass Sie in der Tagesschule Feldblumen aufgenommen wurde und ich bin mir sicher, dass sie dort weiterhin viele tolle Sachen lernen und erleben wird. Meine Aufgabe wird es sein, sie gemeinsam mit all ihren Bezugspersonen, weiter durch den Alltag zu begleiten. Es macht mich stolz und glücklich, dass sie die bisherigen sechs (teilweise auch stürmischen Jahre) so toll gemeistert hat. Und ich bin dankbar, dass wir ohne grössere Krankheiten oder andere Belastungen in ihr Leben gestartet sind.

Was wirklich zählt

Wir haben heute den gemeinsamen Kindergarten-Abschluss mit einem abendlichen Waldspaziergang vorgezogen. Die ganze Woche schon wollte sie mir unbedingt den Wald zeigen. Nie war Zeit oder das Wetter, aber heute hat es geklappt. Wir haben uns eine Pizza gekauft und diese auf dem Spielplatz verschlungen (sorry, aber war so…) Danach sind wir den Waldweg hoch. Wir haben wilde Brombeeren zum Dessert genascht, etwas über ihre Zeit im Kindergarten gesprochen und neue Wege erkundet. Dabei haben wir ein wunderschönes Wald-Mandala gefunden und noch etwas komplettiert. Wir sind über Bäume geklettert, haben uns das zwitschern der Vögel angehört und Tiere beobachtet, sind gehüpft und unter auf dem Rückweg unter dem Rasensprenger durchgesprungen. Kurzum – wir waren zusammen achtsam, gemeinsam in der Natur.

Sammle Momente, nicht Dinge

Sammle Momente, nicht Dinge

Es hört sich jetzt belanglos an, aber ich schreibe den Artikel hier wegen dem Titel. Denn als wir auf dem Rückweg waren sagt sie zu mir: «Mama, das ist der zweitschönste Tag bis heute». Das hat mich sehr bewegt und mir einmal mehr gezeigt, wie wenig es braucht um glücklich zu sein. Es braucht nur Zeit. Gemeinsame Zeit, Zeit zu lachen, sich auszutauschen, sich zu finden. Obwohl ich mir diese bei Erwachsenen immer wieder gerne nehme, verliere ich dieses Gefühl gegenüber meinem Kind manchmal. «Du musst essen, anziehen, hopp ins Bett, spielen machen wir morgen». Nicht selten bleibt man hängen, am Alltag, der Arbeit, dem Stress. Ich bin mir sicher, vielen von euch geht es genau so. Egal ob mit Kindern, dem Partner, den Eltern, mit sich selbst oder anderen Menschen die man gern hat. Dabei braucht es nur so wenig wie ein Spaziergang, ein Lächeln, 15 Minuten Seifenblasen und auch den Wunsch das zuzulassen und zu geniessen. Es war mir schon lange nicht mehr so klar wie heute. Dafür bin ich meiner Tochter (einmal mehr) sehr dankbar. Sie erinnert mich nämlich oft daran, was wirklich zählt.

Lass dich nicht unterkriegen. Sei frech, wild und wunderbar.
Astrid Lindgren

Nach den Sommerferien geht es für meine Tochter auf in eine neue Welt. Wenn ich sehe, wie viel Spass sie daran hat, unbekannte Pfade zu betreten, wie neugierig sie ist und mit wie viel Mut sie voran schreitet, habe ich keine Angst davor, dass auch die nächsten 6 Jahre, gute Jahre werden. Ich wünsche mir, dass wir noch viele solcher Momente wie heute erleben werden und so auch die sicher nicht fehlenden stürmischen Zeiten überstehen.

Start in something new and unknown

Start in something new and unknown

 

Was ist denn euer Tipp für eine Alltagspause oder mehr Achtsamkeit? Wie erinnert ihr euch daran, dass das Gegenüber jetzt grad das Wertvollste im Moment ist?

Ich wünsche euch von Herzen wunderbare Sommerferien mit viel Zeit für eure Liebsten.

<3 Sandra

PS: Ihr wollt sicher auch noch wissen, was der schönste Tag war, oder? Der war mit Papa, als sie mit in sein Unihockey-Training durfte. 😉

Schuhe binden leicht gemacht.

Gestern kam meine Tochter aufgelöst nach Hause! Ich muss bis morgen Schuhe binden können! 😱

Ok. Mama hat total versagt und der Maus in den letzten 6 Jahren laufend Schuhe mit Klettverschlüssen gekauft und auch sonst nicht wirklich Druck gemacht. Ich weiss, wir haben es auch alle gelernt. Wer meine Maus kennt weiss, dass es nicht einfach ist, einem Sturkopf der nicht zuhören will, was Neues beizubringen ist. Sie will es nämlich alleine lernen. Ohne meine Hilfe!

Und jetzt soll die Maus das tatsächlich in 1 Tag lernen. Aber hej… Was soll ich sagen! Geschafft. Mama hat nämlich dieses Video auf Youtube gefunden, in Endlos“schleife“ gelegt und Bäm!  Mit dieser Methode ist Schuhe binden wirklich Kinderleicht und mit höchstens 4 Tobsuchtsanfällen zu lernen. Heute morgen liefen jedenfalls zwei selbstgebundene Converse aus der Tür. 💪🏻

Programmieren – Die Sprache der Neuzeit

Programmieren ist die Sprache der Zukunft. Genau wie Englisch oder Französisch sollte sie schon bald an Schulen unterrichtet werden. Denn programmieren, coden und «Computer Science» ist die Eintrittskarte unserer Kinder in die computergesteuerte Welt. Aber nicht nur die Kinder, auch die Eltern, Lehrer, Ausbildner sollten sich damit auseinander setzen.

Code.org – Die Initative

Seit einigen Monaten verfolge ich code.org eine Non-Profit-Vereinigung aus Amerika die sich für regelmässigen Unterricht in Computer Science in den Schulen der Welt einsetzt. Namhafte Patronatsmitglieder wie Bill Gates, Präsident Obama, Mark Zuckerberg beteiligen sich an der Aufklärung, dass nicht nur die Bedienung der Geräte sondern auch das Programmieren ein Teil unseres Lebens ist.

Wir bedienen Computer, iPads, Handys, laden Apps, shoppen online und Googeln. Wir nutzen täglich das Internet, besuchen Webseiten, beteiligen uns in Netzwerken. Es gibt intelligente TV’s, Waschmaschinen und Kaffeeautomaten. Viele alltägliche Dinge werden an einem Computer gezeichnet, mit einem Computer umgesetzt, gebaut und geformt und benutzt. Computer bestimmen unendlich viele Bereiche unseres Lebens. Und doch kennen die wenigsten die Sprache der Geräte. Darum bin ich auch der Meinung, ist es Zeit zu verstehen, was genau passiert, wenn ich z.B. bei Google meine Suchanfrage platziere. Damit ich das kann, muss ich die Grundlagen der Programmierung, die Herangehensweise zur Problemlösung und die Möglichkeiten der Systeme im Minimum Ansatzweise verstehen. Und das geht halt nur über lernen. Anstatt Spanisch gibts also bei mir bald Code.

The Hour of Code

Don’t just use your phone. Programm it!
President Obama

Aktuell läuft die Aktion „The Hour of Code“ von code.org. Die Aktion zeigt,  wie einfach es ist, Computer nicht nur zu bedienen sondern auch zu verstehen.

Als Mutter einer aufgeweckten 4-jährigen werde ich das Projekt coden mit ihr zusammen starten. Mir hat es damals sehr geholfen, dass ich, back in den 80ies, noch DOS gelernt habe. Vieles was danach auf der Benutzeroberfläche von Windows passierte, konnte ich dadurch viel besser nachvollziehen und verstehen. Es geht nicht darum, meine Tochter zu einem Zombie vor dem Computer zu erziehen. Ich möchte ihr aber die grösstmögliche Selbstbestimmung und ein hohes Verständnis über die Geräte ermöglichen. Ich wünsche mir, dass sie irgendwann versteht, dass die Maschinen nur dann eine unangenehme Macht haben, wenn sie sie nicht versteht. Natürlich hoffe ich auch ein wenig auf den Geek-Faktor, auf Neugierde, Passion und Energie – genau so, wie es mir in Erinnerung ist, als ich 13jährig am Wohnzimmertisch mit dem Commodore64 und meinem Bruder ein Ping Pong in DOS programmierte. Denn…..

The programmers of today will be the wizards of tomorrow.
Gabe Newell

Anybody Can Learn to Code – 60 sec teaser

Und das passiert, nach einer Schulstunde Coding einer 8jährigen.

Und in der Schweiz?

Momentan dünkt mich ist eher der iPad-Hype unter den Schulen im Gange. Erst gestern berichtete 20min über einen Solothurner Pilot mit iPads. Nichts gegen iPads,  aber der Ansatz mit der Programmierung geht da doch etwas weiter. Im Netz bin ich noch über einen Bericht der ABZ gestolpert, einen Programmierpilot in einer Schule in Domat/Ems. Kennt ihr andere Initiativen? Für mich gibt es eigentlich nur einen Grund in den Elternrat zu gehen. Nämlich den, der Schule meiner Kleinen das Programmieren näher zu bringen.