Social Media macht einsam? Ich sage: Nein!

Seit einiger Zeit geistert das Video «Look-up» durch das Netz. Das Video soll uns zeigen, wie arm uns Social Media macht. Wie wir Sklaven der Technologie werden bzw. sind, Freunde verlieren und eigentlich im Herzen alleine sind. Ich sage: Bullshit! Ich erlebe es nämlich ganz anders und ich bin sicher, ich kenne viele, denen geht es genau so.

Huch, Menschen!

Seit rund 3 Jahren nutze ich Social Media Plattformen. Ich bin auf Facebook, Twitter und Instagramm, Pinterest, G+, Xing und noch ein paar anderen Plattformen. Seit ca. 2 Jahren intensiver und nicht nur ausschliesslich in meinem Privatleben, sondern ebenfalls für den geschäftlichen Austausch und im Beruf. Ich bin verfügbar, auffindbar, gebe «Privates» öffentlich. Zuerst – das gebe ich zu – war es mehr ein Zeitvertreib. Auf Facebook war ich mit Freunden verlinkt, die ich wirklich kannte und auf Twitter hab ich vor allem gelesen, nicht gepostet. Nach und nach beteiligte ich mich an Themen, hab auf Twitter mal mir unbekannten Personen geantwortet, Hilfe angeboten oder Fragen gestellt. Auf Facebook habe ich für mich relevante Themen gepostet und auch mal einen tollen Beitrag geliked oder kommentiert. Und siehe da… es lebt! Da sind Menschen! Hinter jedem Profil steht (meistens) ein Mensch, aus Fleisch und Blut. Und dieser hat oft die gleichen Bedürfnisse, Wünsche, Fragen und Sorgen wie ich. Und so stellte ich schnell fest. Social Media verbindet die Menschen. Es teilt sie nicht.

So fühlt sich kein einsames Leben an, oder?

Ich weiss fast nicht wo anfangen, so viele gute Erfahrungen habe ich gemacht. Starten wir mit heute. An diesem sonnigen Sonntag traf ich mich mit meiner Tochter zu einem Spaziergang durch Zürich. Organisiert von einem Twitter-Freund (@slartbart) aufgrund einer Twitter-Konversation über fehlende schöne Ecken in Zürich. #lovelyzurich Mit dabei waren Menschen (huch, schon wieder) die sich über Twitter kennen, sich aber real teilweise noch nie getroffen haben. Wir hatten einen perfekten Tag und genossen den Austausch. Haben uns kennen gelernt, miteinander geplaudert, und wer weiss, auch neue Freundschaften geschlossen. Einfach so! Ich kenne jetzt eine Tierärztin, die meiner Tochter gerne mal die Praxis zeigt. Sprach mit Michelle, die bald in SF lebt und sicher ein paar gute Tipps (und Zaubertricks) hat, wenn wir uns wieder sehen. Ein toller Morgen.

NEUE UND ALTE BEKANNTE AUS TWITTER ON SE ROAD

NEUE UND ALTE BEKANNTE AUS TWITTER ON SE ROAD

Den Nachmittag verbrachte ich mit einer weiteren Twitter-Bekanntschaft. Wir haben uns vorher zweimal getroffen und verabredeten uns (via Twitter notabene) in der Letten Badi. Meine Tochter spielte mit ihren Kindern und wir genossen die Sonne.

Mein Tagesabschluss auf dem Balkon mit einem Tweet:

Trotzdem ich alleine auf dem Balkon sitze wurde mein Tweet gelesen und mir wurde virtuell zugeprostet. So fühlt sich kein einsames Leben an, oder?

Meine Suche nach einer neuen Wohnung, die ich mit Erfolg verbloggt hatte. Ich erhielt zig Retweets, Likes und viel, viel persönlichen Zuspruch. Nicht nur von Menschen die ich schon kannte. Auch Fremde haben geholfen, Tipps gegeben, Links geschickt und mitgefühlt. Sogar Snail-Mail (aka Post) habe ich erhalten. Oder ich sitze im Kaffee und checke mich mit 4sqare ein. 15′ später sitzen (reale) Freunde am Tisch, plaudern, lachen und geniessen den Sonntag mit mir. So fühlt sich kein einsames Leben an, oder?

Bei der Arbeit werde ich in diversen Facebook-Gruppen unterstützt. Bekomme Hilfe auf Fragen, Ideen für Lösungen oder Zuspruch für Beiträge.  Ich finde Geschäftspartner auf Xing/LinkedIn, vernetze mich für Aufträge und erhalte sie auch. So fühlt sich kein einsames Leben an, oder?

Last but not least finde ich Freundschaft. Einfach so. Menschen die ich über Social Media kennen gelernt habe, die mir heute wahre Freunde sind. Mit denen ich lachen, weinen, reisen, arbeiten und leben kann. Seelenverwandte, Freunde fürs Leben. Wertvoll und unbezahlbar. SO fühlt sich ein einsames Leben definitiv nicht an!

Nur ins Handy starren ist doof!

Ja, dem stimme ich 100%ig zu. Was bringt es mir,  mit Freunden Quizduell spielen, die alle am gleichen Tisch sitzen wie ich? Ja das geht, und es macht Spass! Und ja, das Leben besteht aus mehr als nur Twitter und Facebook. Auch ich bremse manchmal bewusst bei der Nutzung. Niemand befiehlt uns, wir sollen uns ausschliesslich auf Social Media rumtreiben, nur vor dem PC sitzen, nächtelang gamen. Das Leben findet tatsächlich draussen, in der Nachbarschaft oder im Dorf oder der Stadt statt. Aber immer mit Menschen. Wir sind das Zentrum. Wem es nicht behagt zu interagieren oder mit Menschen zu kommunizieren wird sich, egal ob mit oder ohne Social Media, einsam fühlen. So gesehen ist Social Media nur eine weitere Möglichkeit, sich vor der realen Welt zu verstecken aber niemals der Grund. Und höchstens schlechtes Benehmen ist der Grund, sich hinter seinem iPhone zu verstecken, anstatt sich mit dem Gegenüber in ein spannendes Gespräch zu vertiefen.

Zukunftsaussichten

Ich habe das Glück beide Welten zu kennen. On- wie Offline. Ich weiss noch wie es war, als noch kein Google jede Frage beantwortete, Facebook das Freundesbuch im Kindergarten und der Star-Trek Communicator das einzige tragbare Telefon. Vielleicht fällt es mir darum leichter, nicht die Gefahren sondern die Chancen zu sehen. Für mein Kind wünsche ich mir, dass ich ihr das «sowohl als auch» zeigen kann. Dass ich ihr beibringen kann, dass nicht die Maschine bestimmt wer und was sie ist, sondern sie selbst. Aber was weiss ich schon was in 10 Jahren alles möglich ist. Ich bleibe dran – auf Twitter.

Buntes Online-Leben

Hinter den 140 Zeichen im Tweet, hinter jeder Statusmeldung auf Facebook oder G+  steckt ein Mensch und das ist, was zählt. Immer habe ich die Wahl zu lesen, mich zu beteiligen, zu geben oder eben nicht. «Wotsch en Brief, den schrieb en Brief.» Genau das gleiche zählt für die sog. Online-Community.  Im Zentrum steht, was du gibst und dann kommt es zig-fach zurück. Wer sich einbringt, beteiligt und vernetzt ist im Vorteil. Dass man Online und mit den richtigen Followern plötzlich auf 1’000+ Gleichgesinnte trifft ist zwar sicher wissenschaftlich verbrieft aber auch einfach nur wahnsinnig toll.

Seitdem ich mich online vernetze ist mein Leben bunter, fröhlicher, geselliger, spannender und so unendlich viel reicher geworden. Alles, aber bestimmt nicht einsamer!

Und ihr so?

Was ist eure Erfahrung? Welches euer spannendstes, berührendstes, tollstes Erlebnis, das ihr aufgrund von Social Media gemacht habt? Teilt es!

Neustarts

Neben der Möglichkeit die Stadt oder das Land zu wechseln, ist ein Arbeitsplatzwechsel immer eine gute Gelegenheit sich neu zu positionieren. Wer bin ich, wer war ich und wer  will ich sein?

Der  Vorname

Als ich zum Weihnachtsessen geladen wurde und mich mit Sandra vorstellte, kam die scheue Rückfrage ob ich mich nicht Sandy nenne. Aehm… nein, seit der letzten Klasse wohl nicht mehr.  Meine neue Kolleginnen und Kollegen sind automatisch davon ausgegangen, dass eine netzaffine Sandra lieber Sandy heisst. Vielleicht lag’s aber auch an „Hurricane Sandy“ welcher zu meiner Bewerbungszeit wütete. Trotzdem brachte mich das ins Grübeln. Vielleicht wäre es wirklich mal wieder Zeit für einen IDentitästwechsel. Nach 20 Jahren seriöser Sandra wäre mir ab und an schon nach der freakigen Sandy zu Mute.

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Der Style

Möchte ich meinen Stile, meine Kleidung, meine Frisur behalten? Vielleicht mehr Röcke tragen, die verschlissenen Hosen im Kasten lassen, Haare schneiden. Überhaupt ist ein neuer Job eine wunderbare Entschuldigung mal wieder shoppen zu gehen. Auch wenn keine Kleidervorschriften herrschen. Ein Wechsel ist deshalb immer ein guter Zeitpunkt das persönliche Auftreten zu überprüfen. Kleider machen halt schon auch Menschen. Nicht ausschliesslich aber doch genügend. Ich habe mich immerhin zu einer Manicüre hinreissen lassen. Schliesslich sollen ja alle am ersten Tag einen sauberen, gepflegten Händedruck erhalten.

Das Auftreten

Früher eher zurückhaltend, ab sofort forsch? Auch das Auftreten gegenüber den neuen Kolleginnen und Kollegen gehört hinterfragt. Vielleicht möchte man endlich mal etwas unbequem werden, Probleme schneller ansprechen oder im Gegenteil etwas leiser werden und anderen nicht so oft ins Wort fallen. Darunter fallen mitunter Attribute wie Pünktlichkeit, Höflichkeit, Aufmerksamkeit und Loyalität. Was beim Austrittsgespräch (hoffentlich) angesprochen wurde, kann man doch jetzt gleich mal ausprobieren. Für mich würde das heissen: Nicht mehr so laut lachen! Von viel hat ja keiner was gesagt.

Die Arbeitstechnik

Öfter mal telefonieren, Pendenzen nicht zu lange aufschieben, Mailbox immer aufräumen. Typ Chaos oder total organisiert? Vor dem Start zu meinem letzten Job habe ich mir den Clean Desk vorgenommen und (mehr oder weniger) gut durchgezogen. Papierberge und Aktenstapel ade. Mäppli mit Deckblatt Ahoi! Das galt auch für den Compi wo die Ablage durch und durch strukturiert aufgebaut wurde. Meine Nachfolger/-innen werden es mir danken.

Fun Faktor Arbeit

Zu guter Letzt noch ein Punkt der Interfamilliär und im Freundeskreis zu Diskussionen führt. Wie nahe oder distanziert gibt man sich? Darf Arbeit Spass machen? Für die einen ist eine Begrüssung im 3-Küsschen-Verfahren totales Tabu. Das „du“ per se ein Verbrechen. Ein Essen mit Kollegen eher verwerflich als unterhaltsam. Andere wiederum lassen die nötige Distanz stark vermissen, verbringen schnell ihre gesamte Freizeit im Team und breiten jedes noch so unspannende Detail am Kaffeetisch aus. Was gut ankommt, bestimmt  das Arbeitsumfeld und das kann man erst ab Tag 1 beurteilen. Zuerst mal etwas Zurückhaltung schadet sicher nicht. Grundsätzlich bin ich aber der Meinung verbringe ich genug Zeit mit den Menschen bei der Arbeit. Der persönliche Austausch darum wichtig/sinnvoll/spannend und eine Bereicherung. Und ja, für mich darf Arbeit (auch viel) Spass machen.

Sei authentisch

Ich bin bis jetzt noch (fast) nie verkehrt gelegen, hauptsächlich mich selbst zu sein. Denn so lange ich „ich“ bin, fühle ich mich am wohlsten. Das spüren die Menschen die täglich mit mir zu tun haben. Trotzdem stimmt es schon, dass die Person „Sandra/Sandy“ viele Facetten hat und nicht alle müssen zwingend am ersten Tag auf den Tisch.  An Fehlern oder bisherigen Unzulänglichkeiten zu arbeiten schadet sicher nicht.

So geht es jetzt nur noch daran den eigentlichen „ersten Tag“ anzugehen. Im folgenden Blogbeitrag der Karrierebibel finde ich gleich noch weitere Inputs. Und wenn ich mir dann eine witzige Anekdote ausgedacht habe, trage ich wiederum zum guten Arbeitsklima bei. In diesem Sinne.

Hallo HWZ auf viel arbejdsglaede!

 Bild bei velvettears bei flickr.com (CC BY 2.0)